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Spazierengehen liegt im Trend. Und daran sollten wir auch nach Corona festhalten.

 

Denn leichter kann man kaum etwas für Körper und Seele tun – und die Lebenserwartung.

 

Beim Spaziergehen in der Natur lässt es sich gut entspannen. Und obendrein kann man viel Neues entdecken.

 

Will man der Corona-Krise irgendetwas Gutes abgewinnen, dann wohl am ehesten das: Sie hat uns Beine gemacht. Der Spaziergang, lange als öder Zeitvertreib von Rentnern und Hundebesitzern belächelt, feiert in diesen Zeiten ein Comeback. Selbst diejenigen, die sich sonst höchstens nach dem Weihnachtsessen dazu aufraffen konnten, gehen jetzt regelmäßig um den Block, flanieren durch die Innenstädte oder stromern durch Wälder und Parks.

Bertram Weisshaar findet es wunderbar, dass die Deutschen die Krise nicht einfach nur „aussitzen“. Er ist Spaziergangsforscher, in der Fachsprache: Promenadologe, und schon von Berufs wegen viel auf zwei Beinen unterwegs. Manchmal nur eine kleine Runde, am Wochenende dagegen oft bis zu drei Stunden. „Auf meine 8000 bis 10000 Schritte, wie es die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, versuche ich jeden Tag zu kommen. Danach geht es mir immer besser.“

Leichte Bewegung wirkt wie ein Antidepressivum

Dass Spazierengehen entspannt, wird jeder bestätigen können. Wenn sich die Füße bewegen, bewegt sich auch etwas im Kopf. Die Seele fühlt sich „gelüftet“ an, Gedankenknoten lösen sich. Längst ist durch Studien belegt, dass schon leichte körperliche Aktivität wie ein Antidepressivum wirkt und bei gesunden Menschen das Depressionsrisiko beachtlich senkt. Das mag an glücklich machenden Botenstoffen wie Dopamin liegen, die durch Bewegung ausgeschüttet werden. Für Weisshaar dagegen sind es die Erlebnisse, die nur ein Spaziergang bietet. „Gehen ist die unmittelbarste Form, die Welt wahrzunehmen. Nur zu Fuß bin ich ganz bei mir selbst.“

Wir entdecken die Umwelt mit allen fünf Sinnen, müssen uns nicht auf das Führen eines Fahrzeugs konzentrieren, beobachten die Landschaft in einem natürlichen Tempo. Die duftenden Blumen in Nachbars Garten, zwitschernde Vögel, ein neues Haus im Viertel – die Welt wird zu einem interaktiven Gemälde, das sich mit jedem Schritt verändert.

Bis zu 4,5 Jahre mehr Lebenszeit

Wie gut es sich beim Gehen durchatmen und sinnieren lässt, wussten schon Dichter, Denker und Komponisten wie Schiller, Freud oder Beethoven. Sie alle waren passionierte Spaziergänger und entwickelten ihre Ideen am liebsten beim Unterwegssein. Auch Goethe flanierte oft stundenlang durch die Gegend. Ob er sein stolzes Alter von 82 Jahren diesem Bewegungsdrang zu verdanken hat? Durchaus möglich.

 

Denn fast zwei Jahrhunderte später zeigt eine große Studie der Harvard Medical School: Man muss sich nicht schweißtreibend im Fitnessstudio kasteien. Schon regelmäßig zügig spazieren gehen wirkt lebensverlängernd. Wie viel Zeit wir uns dabei on top „erlaufen“, hängt von der Dauer ab. 75 Minuten pro Woche bringen ab einem Alter von 40 rund 1,8 zusätzliche Jahre, 150 Minuten 3,4 und 450 Minuten sogar 4,5 Jahre. Anderen Berechnungen zufolge ließe sich die Zahl der vorzeitigen Todesfälle in Europa um 7,4 Prozent senken – vorausgesetzt, alle Bewegungsmuffel würden täglich einen 20-minütigen Spaziergang unternehmen. Die Lebenserwartung bei Geburt könnte so im Durchschnitt um 0,7 Monate gesteigert werden.

Schritt für Schritt gegen Zivilisationskrankheiten

Doch was kann so gesund daran sein, mit rund fünf Stundenkilometern durch die Landschaft zu schlendern? Ziemlich viel. Im Prinzip ist Gehen das beste natürliche Präventionsprogramm, mit dem sich laut einer britischen Studie 24 Krankheiten vorbeugen lässt. Typ 2-Diabetes und Überwicht zum Beispiel. Denn setzen wir einen Fuß vor den anderen, kommt der Stoffwechsel in Schwung, werden die Verdauung und die Verbrennung überschüssiger Energie angeregt.

Auch das Risiko bestimmter Krebsarten lässt sich minimieren, etwa das von Brust- und Dickdarmkrebs. In Bewegung, so die Annahme, funktioniert das Immunsystem einfach besser und die Produktion von Antioxidantien, die zellschädigende freie Radikale töten, wird angekurbelt. Und schließlich Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die Todesursache Nr. 1. Tägliches Spazierengehen hält nämlich das Stresshormon Cortisol in Schach, fördert die Durchblutung der Gefäße und verbessert die Pumpleistung des Herzens.

Spaziergänge spielerisch in den Alltag integrieren

Darüber hinaus lässt sich zahlreichen Alltagsbeschwerden durch Fußmärsche beikommen. Das Sonnenlicht fördert die Bildung von Vitamin D – ein Schutzschild gegen Osteoporose. 700 Muskeln und 100 Gelenke werden beim Gehen aktiviert – das hilft gegen Verspannungen, Schmerzen im Schulter- und Rückenbereich und schwindendes Knorpelgewebe.

Promenadologe Weisshaar hofft daher, dass bei vielen die neue Liebe zum Spaziergang auch nach Corona anhält. „Man sollte versuchen, das Ganze spannend zu gestalten und in den Alltag einzubauen.“ Warum Spazierengehen nicht zu einem kleinen Abenteuer machen, bei dem man riskiert, sich auch mal zu verirren? „Manchmal setze ich mich in den Bus, fahre bis zur Endstation und versuche dann so gut es geht, ohne Navi zurückzufinden.“ Oder aber das Auto 500 Meter vom Büro entfernt parken und das restliche Stück laufen. „Kein großer Akt, aber wieder 1000 Schritte mehr auf dem Weg hin zu mehr Gesundheit und Wohlbefinden.“

 

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Knut Mäuselein

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